Jugendilche 27

Bildung mit Herz - pädagogisches Symposium in Salzburg

Veröffentlicht am: 10. März 2015

Salzburg - 300 Teilnehmerinnen und Teilnehme aus ganz Österreich folgten der Einladung der Don Bosco Familie zum pädagogischen Symposium „HerzenSache“ in Salzburg anlässlich des 200. Geburtstags Don Boscos. Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner wies in der Eröffnungsrede auf einen Ausspruch Don Boscos hin: Kinder seien wie Edelsteine. Sie müssen aufgehoben werden, dann beginnen sie zu leuchten. Ebenfalls nach Salzburg kamen die beiden Salesianerbischöfe Ludwig Schwarz SDB und Alois Kothgasser SDB.

Hauptreferent war der Berliner Theologe und Psychotherapeut Günter Funke. Er sieht in der modernen Gesellschaft „Kinderarbeit abgeschafft und Kinderleistung eingeführt“. Ein Leistungsdenken ohne „Schule des Herzens“ mache krank, so Funke. Er fordert, die Emotionalität der Kinder und Jugendlichen in alle Bildungsprozesse einzubeziehen. Kritisch beurteilt Günter Funke einige Entwicklungen im Bildungssektor: „Das einzig Wichtige sind heute Leistung und Erfolg. In Zeiten der PISA-Studien rückt eine Herzensbildung in den Hintergrund. Doch Fachwissen allein führt nicht zur Ethik, dafür ist das Herz verantwortlich.“ Besonders kirchlich orientierte Schulen sollen „mehr Mut“ zeigen und sich solchen Tendenzen querstellen: „Bildung mit Herz, das ist der Weg Don Boscos.“

Aus der Praxis als Psychotherapeut weiß Funke, dass viele Kinder „einfach nicht mehr können“. Sie leiden unter dem Druck, der von außen an sie herangetragen wird. Oft seien Kinder in ein enges Korsett von Informationsflut und Leistungsdruck gezwängt, es bliebe wenig Raum für Kreativität. Junge Menschen müssten hingegen spüren: „Auf mich kommt es an.“ Kinder sehnen sich danach, dass Erwachsene auf ihre Gefühle sorgsam reagieren, betont Funke.

Günter Funke mahnt die Pädagoginnen und Pädagogen zur Selbstreflexion: „Wem begegnen die Kinder, wenn sie mich treffen? Für welche Werte stehe ich?“ Ein guter Lehrer stelle hohe Anforderungen, suche den persönlichen Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen und nehme sich Zeit für die Langsamen, so Funke. Gerade eine „Bildung der Emotionalität“ und eine „Stabilisierung der Gefühlswelt“ bräuchten junge Menschen heute dringend. Psychische Erkrankungen und Radikalisierungen bis hin zu Terror seien oft Symptome nicht verarbeiteter Gefühle. Der Weg der „personalen Pädagogik“, wie es auch Don Bosco gelebt habe, sei kein einfacher, aber nötig. Die Herzenssache sei wichtig, damit keine herzlosen Entscheider heranwachsen. Es brauche daher eine Herzensbildung, damit eine Gesellschaft nicht herzlos agiert.

Im zweiten Teil des Symposiums referierten und diskutierten Experten mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Don Bosco Schwester Hanni Denifl berichtete über Sozialarbeit für jugendliche Straftäter in Benin, wo sie im Gefängnis in Cotonou arbeitet. Lana Ivanjek, in der Lehreraus- und -fortbildung in Kroatien tätig, präsentierte das Projekt des Interaktiven Schulunterrichts und das Jugendzentrum der Salesianer in Zagreb vor. Christine Geserick vom Österreichischen Institut für Familienforschung stellte Geschichte und Trends zur Situation der Familie vor. Martin Lechner, Religionspädagoge aus Benediktbeuern und Don Bosco Experte, sprach über „Religionssensible Erziehung“ (Bild rechts).

Ingo Vogl gestaltete mit einem Kabarettprogramm über „Gsundheit“ und „Kindheut“ den Abend. In der Rolle des 2013 verstorbenen Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki analysierte Vogl zum Schluss das Symposium. Musikalisch unternahm der Chor „The Spirits“ aus Wien-Hasenleiten eine Reise zu den bekanntesten Melodien der britischen Popband „The Beatles“ und beendete so den Don Bosco Tag in Salzburg.

Peter Rinderer/KAP/red

Fotos: Gerhard Steinwender/Don Bosco

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