Jugendilche 27

Gipfeltreffen: Ein Sommer auf dem Colle Don Bosco

Johannes Bosco lebte für und mit der Jugend. Zu seinem 200. Geburtstag machten sich fast 400 junge Menschen aus ganz Deutschland auf den Weg, um mehr über den außergewöhnlichen Heiligen zu erfahren. Auch eine Gruppe aus Chemnitz begab sich im italienischen Piemont auf Spurensuche. Unsere Redakteurin Hannah-Magdalena Pink hat sie begleitet.

Es ist heiß in diesen Hochsommertagen Ende Juli. In Becchi, dem Geburtsort Don Boscos, den heute alle nur noch „Colle Don Bosco“ nennen, treffen die ersten Mädchen und Jungen aus Deutschland ein. Noch bietet die Zeltwiese unterhalb der großen Basilika jede Menge Platz. Für das große Jugendtreffen „Come to Bosco“, das die Salesianer Don Boscos zum 200. Geburtstag ihres Ordensgründers veranstalten, haben sich 370 Kinder und Jugendliche aus der Deutschen Provinz angemeldet. Wie die Gruppe der freien Jugendarbeit des Don Bosco Hauses in Chemnitz wollen sie hier in den kommenden Tagen und Wochen ihr Lager aufschlagen, um mehr über den Heiligen zu erfahren, der inmitten dieser grünen Hügellandschaft am 16. August 1815 das Licht der Welt erblickte.

Das mehrtägige Programm führt die Jugendlichen zu dem kleinen Wohnhaus, in dem Johannes Bosco aufgewachsen ist und das heute ein Museum ist. Neugierig werfen die Chemnitzer einen Blick ins „Traumzimmer“, in dem Johannes als Neunjähriger davon träumte, wie er später mal den benachteiligten Jugendlichen helfen sollte. Auch die eindrucksvolle Basilika, die an der Stelle des Geburtshauses am Colle steht, besuchen die Jugendlichen. Und natürlich die Kleinstadt Chieri, wo Johannes Bosco zur Schule und anschließend ins Priesterseminar ging.

 

„Don Bosco bietet sich als Identifikationsfigur an“

Ebenso vorgesehen sind Ausflüge nach Turin, wo der spätere Ordensgründer seinen ersten Treffpunkt für Kinder und Jugendliche aufbaute, sowie ans Meer. „Mit unserer Fahrt hierher zum Colle Don Bosco und nach Turin möchte ich den Jugendlichen zeigen, dass sie Teil einer großen Familie sind und dass es Einrichtungen wie das Don Bosco Haus in vielen Städten und auch in anderen Ländern gibt“, erklärt Pater Johannes Kaufmann. Als Leiter des Don Bosco Hauses in Chemnitz begleitet er rund 40 Kinder und Jugendliche aus Sachsen ins Zeltlager nach Italien. Die meisten aus seiner Gruppe machen zum ersten Mal so eine Reise. Viele von ihnen wachsen wie Johannes Bosco in schwierigen Verhältnissen auf. Jeden Tag, in einer gemeinsamen Morgenrunde, erfahren die Jungen und Mädchen etwas mehr über die Familie Bosco: über den Vater, der Landarbeiter war und starb, als Johannes zwei Jahre war. Über die Mutter Margareta, die mit ihrer Schwiegermutter, mit Johannes und seinen beiden Brüdern Antonio und Giuseppe in eine kleine, zum Wohnhaus umgebaute Scheune zog.

Sie erfahren, dass Johannes dank der Unterstützung eines Pfarrers zur Schule gehen und schließlich Priester in Turin werden konnte, wo er sich um hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche kümmerte. Später gründete er die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos und gemeinsam mit Maria Mazzarello die Don Bosco Schwestern, die bis heute weltweit sein Werk fortsetzen.

„Ich weiß, dass Don Bosco einen Traum hatte“

„Don Bosco bietet sich gerade für die Kinder und Jugendlichen vom Don Bosco Haus in Chemnitz als Identifikationsfigur an“, sagt P. Kaufmann. „Denn als er hier lebte, war er etwa im gleichen Alter. Ich will den Jugendlichen zeigen, dass Don Bosco wie sie von einem Ort gestartet ist, der ganz einfach war. Doch dann hat er den Schritt gewagt, in die Welt hinauszugehen. Ich möchte den Jugendlichen Mut machen, dass sie auch so einen Schritt tun können.“

Die Geschichten aus dem Leben Don Boscos und über junge Menschen, denen Don Bosco geholfen hat, verfehlen ihre Wirkung nicht. Auf die Frage, was sie denn am Colle über Don Bosco erfahren haben, antwortet ein Jugendlicher aus Chemnitz: „Ich weiß, dass Don Bosco einen Traum hatte, vielen Menschen zu helfen. Und er hat ihn trotz seiner schlechten Lage verwirklicht.“

Don Boscos Werk und sein Charisma, das gerade an den Stätten seiner italienischen Heimat spürbar wird, beeindrucken die Teilnehmer des Jugendtreffens. Sie beginnen, zu verstehen, wie jeder Einzelne von ihnen heute noch von der Arbeit des „Streetworkers Gottes“ profitiert. Sie besuchen im Turiner Stadtteil Valdocco das erste Jugendzentrum, das Don Bosco im 19. Jahrhundert für Straßenkinder aufgebaut hat und das bis heute in Betrieb ist. Am Anfang gab es hier lediglich eine kleine Kirche, einen Bolzplatz und Schlafräume für Jugendliche. Später kamen Lehrwerkstätten, Schulen und die – noch zu Don Boscos Lebzeiten errichtete – Maria-Hilf-Basilika dazu.

Ein Ort mit einer besonderen Magie

Im Museum sehen die Jugendlichen die früheren Möbel und viele Gegenstände aus den Wohnräumen Don Boscos, darunter seinen Schreibtisch, das alte Tintenfass, die Stola sowie Bücher und einige seiner Briefe. „Ich finde es interessant, mal an den Stätten zu sein, wo Don Bosco gelebt und gearbeitet hat“, sagt Nathalie aus Chemnitz. „Mir gefällt, wie er mit den Kindern und Jugendlichen umgegangen ist und was er mit ihnen unternommen hat. Ich will später selbst Erzieherin werden.“

Auch für die Salesianer haben die Orte, an denen ihr Ordensgründer lebte und arbeitete, eine besondere Bedeutung. Für P. Johannes Kaufmann ist der Colle ein Platz, an dem er zur Stille und zur Ruhe kommen kann. „Nach einem Gewitter sieht man von hier aus rundherum die Alpenkette“, erzählt er. „Ich mag diese Kombination aus Ruhe und dem Blick in die Weite.“ Das lässt sich auch auf die Arbeit Don Boscos mit Jugendlichen übertragen, findet er. „Don Bosco hat mit seinen Jugendlichen mutige Dinge gewagt und sie an Orte geführt, die außerhalb ihres Horizonts lagen. Das kennzeichnet ganz viele unserer Projekte und unsere Häuser, wo wir den Jugendlichen einerseits Halt bieten und ihnen gleichzeitig die Möglichkeit geben, nach vorne, in die Weite, zu schauen.“

Text und Fotos: Hannah-Magdalena Pink

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Don Bosco erleben

Der 200. Geburtstag Don Boscos ist für die Salesianer Don Boscos Anlass, den großen Heiligen der Jugend jungen Menschen von heute bekannter zu machen.

Vom 19. bis 28. Juli und vom 02. bis 09. August 2015 waren alle Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Freunde Don Boscos eingeladen, die Heimat Don Boscos bei Turin und die Orte, an denen Don Bosco aufgewachsen ist und sein Werk den Angang genommen hat, zu besuchen.

Zur Website von COME TO BOSCO 2015

Der heilige Johannes Bosco
Johannes-Bosco

Der Turiner Priester, Ordensgründer und Erzieher Johannes Bosco (1815-1888) gehört neben Adolph Kolping, Paul Josef Nardini und vielen anderen zu den großen Sozialaposteln des 19. Jahrhunderts. Er zählte zu denen, die aufmerksam waren für eine stetig wachs-
ende soziale Not und die aus christlicher Motivation heraus Hand anlegten zu deren Überwindung. Dabei hatte Don Bosco mit seiner „Pädagogik der Vorsorge“ besonders die benachteiligten und ausgegrenzten jungen Menschen im Blick. Mehr zum Leben Don Boscos

Der neue Don-Bosco-Film

„Der Seiltänzer - Auf den Spuren des heiligen Johannes Bosco (1815-1888)“ heißt der neue Don-Bosco-Film, der am 10. Januar in München Premiere feierte. Aus Anlass des 200. Geburtstags Don Boscos im Jahr 2015 erinnert Filmemacher Marcel Bauer an Stationen im Leben Don Boscos und beleuchtet die Aktualität seines pädagogischen und pastoralen Programms an Beispielen salesianischer Arbeit in Deutschland und in Übersee.

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Don Bosco Magazin
317 Titel

Die Ordenszeitschrift wird von den Salesianern Don Boscos zusammen mit den Don Bosco Schwestern in Deutschland herausgegeben. Das Don Bosco Magazin erscheint alle 2 Monate. Das Magazin versteht sich als Familienmagazin und engagiert sich für die Anliegen von Kindern, Jugendlichen und Familien.

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